20. April 2026

Ich war heute wieder 2 Stunden im Gym! Von der Kunst unsere Zeit zu verschwenden

 
Wir sind gut darin, uns etwas vorzumachen

 Zwei Stunden im Gym.

Das klingt erst einmal nach Disziplin, nach Fokus, nach Investition in die eigene Gesundheit. Für viele andere jedoch sieht die Realität anders aus: Viel Zeit zwischen Geräten, Puls unter 80bpm, kurze Sätze, lange Pausen. Der Blick wandert häufiger aufs Smartphone als auf die nächste Übung. Nachrichten, Social Media, Mails. Beschäftigung statt Bewegung.
Am Ende dieser zwei Stunden bleibt oft ein diffuses Gefühl: Irgendwie war ich da – aber habe ich wirklich etwas geschafft?
Diese Beobachtung lässt sich erstaunlich gut auf eine andere Welt übertragen: die der Führungskräfte

 

Beschäftigt sein ist nicht gleich wirksam sein

 
Auch im Führungsalltag verbringen viele Menschen lange Tage „im Gym der Arbeit“. Der Kalender ist voll, die Inbox quillt über, Termine reihen sich aneinander. Meetings, Abstimmungen, Statusrunden. Ständige Erreichbarkeit, permanentes Reagieren.
Und dennoch bleibt am Ende des Tages nicht selten die Frage:
Was habe ich heute eigentlich wirklich bewegt?
Typische Zeitfresser im Führungsalltag sind dabei:
  • Meetings ohne klares Ziel oder Ergebnis
  • Operative Details, die delegierbar wären
  • Dauerhafte Erreichbarkeit ohne Fokuszeiten
  • Multitasking, das Konzentration verhindert
  • Digitale Tools, die genutzt werden, ohne sie bewusst zu steuern
Wie im Gym entsteht so eine trügerische Aktivität. Wir sind anwesend. Wir sind beschäftigt. Aber der Trainingsreiz – die echte Wirkung – bleibt aus.
 

„Der Mut zur ehrlichen Selbstbeobachtung fehlt  uns oft.“

 

Die Frage muss immer lauten: zahlt das, was ich gerade tue, auf meine Ziele ein? Dabei ist es egal ob es persönliche Ziele oder Unternehmensziele sind.

 

Das Pareto-Prinzip: 20 % Einsatz, 80 % Wirkung

Das Pareto-Prinzip ist vielen bekannt:

20 % des Einsatzes erzeugen 80 % der Ergebnisse.
In der Praxis wird es jedoch erstaunlich selten konsequent angewendet. Stattdessen wird Zeit gleichmäßig verteilt – auf alles und jeden. Führungskräfte trainieren „alles ein bisschen“ und wundern sich, warum die Wirkung ausbleibt.

 

Disziplin ist das was wir tun, wenn niemand zusieht

Die entscheidenden Fragen lauten daher:

  • Welche Aufgaben zahlen wirklich auf meine Rolle ein?
  • Wo erzeuge ich als Führungskraft den größten Hebel?
  • Welche Themen brauchen meine Aufmerksamkeit – und welche nicht?
Im Gym wäre es absurd, zwei Stunden mit Aufwärmen zu verbringen und die eigentlichen Übungen nur anzutippen. Im Arbeitsalltag akzeptieren wir dieses Verhalten oft als Normalzustand.
 
Selbstführung als Schlüssel zur Führung!
Selbstorganisation heißt, Prioritäten klar zu setzen, Fokus zu halten und bewusst mit Zeit, Energie und Ablenkungen umzugehen. Entscheidend ist nicht, alles zu tun, sondern das Richtige – unterstützt durch sinnvollen Einsatz von Tools und persönliche Disziplin.

 

Selbstorganisation ist Führungsarbeit

Gute Führung beginnt nicht beim Team. Sie beginnt bei der eigenen Organisation.
Das bedeutet nicht, noch mehr Tools einzuführen oder den Kalender weiter zu optimieren. Es bedeutet vor allem, bewusste Entscheidungen zu treffen:
  • Womit verbringe ich meine Zeit – und warum?
  • Was lasse ich bewusst weg?
  • Wo fehlt mir Disziplin, wo Klarheit?
Disziplin hat dabei wenig mit Härte zu tun. Sie ist vielmehr die Fähigkeit, sich nicht permanent ablenken zu lassen – weder von äußeren Anforderungen noch von inneren Impulsen. Auch und gerade dann, wenn nichts und niemand da ist, um uns zu fokussieren: keine Vorgesetzten, keine Termine. Einfach nur wir und unser Ziel.
 
Das Smartphone im Gym ist dabei ein gutes Sinnbild:
Es ist ein hilfreiches Werkzeug. Aber nur, wenn es bewusst eingesetzt wird.
 
Andernfalls ist es einfach eine Ablenkung, die uns unseren Zielen keinen Schritt näher bringt.

 


Bildnachweis: Foto von Norman Kähler