5. Januar 2026

Haben wir wirklich keine Lust mehr, uns anzustrengen?

Deutschland schafft Leistung ab!

Dieser Satz ist allenthalben zu hören, vor allem von Führungskräften,  und mit ihm wird unser wirtschaftlicher Untergang prophezeit, da wir nicht mehr bereit sind, Leistung zu zeigen. Wie können wir also Führung so gestalten, dass Leistung auch in der heutigen Arbeitsweilt gewährleistet ist?

Begründet wird das unter anderem so:

Ist das also das Ende unserer Leistungsgesellschaft und das Ende unserer Erfolgsgeschichte als Industrienation?

Top-Manager scheinen sich immer dann politische Einmischung zu verbitten, wenn es gut läuft. Umgekehrt rufen sie nach Hilfen und zeigen mit dem Finger auf schuldige (unter anderem eben die, welche offenbar nicht mehr leisten wollen), wenn es nicht gut läuft. Die eigene „Leistung“ als Führungskraft, wird in den meisten Fällen nicht thematisiert.

 

Wir bezahlen immer noch Arbeitszeit und Status, anstatt Leistung und Beitrag zu honorieren.

Die Frage ist doch, wie wir Leistung definieren

 Im Augenblick aus meiner Sicht etwa so:

 

Untersuchungen der letzten Jahre unterstützen die Annahme, dass genau das die Gründe für Krankheitsbedingte Abwesenheiten oder die Kündigung zu sein scheinen.

 

 

Wie stehen wir zum Thema Arbeit?

Die „Grundeinstellung“ bei den meisten von uns ist, dass wir dabei gesehen werden müssen wie wir uns anstrengen. Wir müssen uns den Wettbewerb vom Hals halten und jederzeit hohes Engagement zeigen. Fehler werden bestraft und wenn es nicht anstrengend war, dann ist es auch nicht gut.

Schafft jemand ein besseres Ergebnis, dann ist wahrscheinlich Neid unsere stärkste Emotion.

Spaß klingt irgendwie frivol und hat bei der Arbeit nichts zu suchen und Abweichungen vom klassischen Leistungsbegriff werden eher als problematisch angesehen.

Was bedeutet das für Leistung und Führung?

Führungskräfte müssen den Mut haben, sich diesem Sachverhalt zu stellen.

Charakteristische Merkmale einer Leistungsgesellschaft:

Wettbewerb auf allen Ebenen (Menschen, Institutionen, Unternehmen)

Leistungsdruck (Ergebnisse, Deadlines, Erreichbarkeit, Einsatz, Hingabe)

Leistungsorientierte Belohnungssysteme

Bewertung strikt nach Ergebnis

Fokus auf Selbstverwirklichung und Individualität

Wirtschaftlicher Fortschritt/ Wachstum sind das Ziel

Soziale Ungleichheit durch unterschiedliche Aufstiegschancen

 

Die meisten Menschen, mit denen Sie zu tun haben werden glauben, dass einer verlieren muss, damit ein anderer Gewinnen kann und dass Leistung immer Gegen- und nicht Miteinander entsteht. Denn das haben sie ihr Leben lang gelernt.

Die Herausforderung für Führung besteht darin, hier für sich eine Definition zu finden und nach dieser zu handeln und nicht zwingend dem Status Quo zu folgen.

Viele Führungskonzepte, mit denen wir uns heute beschäftigen, wie zum Beispiel New Work, agile Führung oder auch flexibles Arbeiten, bieten aus meiner Sicht einen alternativen Ansatz zum klassischen Leistungsbegriff. 

 

Hier werden Dinge wichtig wie:

 

 

Wir alle haben Präferenzen, Neigungen und Talente. Es gibt Dinge, die tun wir gern und können Sie gut und genauso gibt es Dinge, die uns nicht so liegen.

Darum ist es auch schwer, wenn Führungskräfte versuchen alle Mitarbeitenden nach denselben Maßstäben zu bewerten, im Jahresgespräch oder im Assessment Center.

Einige mögen analytisches Denken, andere Handeln eher intuitiv.

Manche treffen Entscheidungen schnell und aus dem Bauch heraus, andere möchten sich hierfür mehr Zeit nehmen, Fakten sammeln und Risiken bewerten.

Manchen Menschen ist das Ziel wichtiger als der Weg, bei anderen ist es andersherum.

In allen Fällen kann „geleistet“ werden, nur mit unterschiedlichen Herangehensweisen.

 

Echte Leistung ist, wenn wir uns trauen uns einer Situation zu stellen und unser Bestes zu geben, obwohl wir keine Kontrolle haben und nicht wissen wie es ausgehen wird!“

 

Führungskräfte sollten erkennen, dass es am Ende gewinnbringender ist, sich intensiv damit zu beschäftigen, wer wann und unter welchen Umständen die besten Leistungen bringt, anstatt darauf zu bauen, dass es mit Standardisierung, Leistungsanreizen, Druck, Deadlines und ausgeklügelten Zielsetzungen schon gutgehen wird.

Wir sind Leistungsbereit!

Menschen haben grundsätzlich Interesse an Leistung. Die Geschichte der Menschheit ist voll von großartigen Leistungen, sei es bei der Arbeit, beim Sport, in der Politik, in der Kunst, im Ehrenamt oder auch bei Innovation und Erfindungen.

„Nothing ist less productive than to make more efficient what should not be done at all“

Peter Drucker

Wir sehen in den letzten Jahrzehnten eine Entwicklung weg von der Industriegesellschaft hin zur Wissensgesellschaft. Damit geht einher, dass mehr Menschen sich nach dem Sinn ihres Tuns Fragen und wie Dinge verbessert werden können, das ist aus meiner Sicht eine gute und aufgeklärte Haltung.

Ist es LEISTUNG, wenn wir Zeit und Energie auf Prozesse und Bürokratie verwenden, auf Besprechungen, die nicht zum Ziel führen oder mit der Kontrolle von Mitarbeitenden? Sind Überstunden zwingend ein Zeichen für Leistung? Sind Umsätze, auch wenn es schlechte Umsätze sind, zwingend ein Indikator für Leistung?

 

Leistung hat viele Gesichter und ist letztlich IMMER das Ergebnis von Teamarbeit. Unsere derzeitige Definition von Leistung schafft Anreize für Produktivität und Innovation, sie verstärkt aber auch soziale Ungerechtigkeit, eine „Ellenbogengesellschaft“ und gesundheitliche Probleme.

 

Darum brauchen wir in der Führung einen „gesunden“ Umgang mit Leistung. Denn Produktivität und Innovationsgeist lassen sich auch gemeinsam, miteinander und nachhaltig erreichen.

Und auf diese Weise macht es auch mehr Spaß!

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei!

 

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